von Olivia Schmid – 27. September 2020-

Das BIP - ein universeller Indikator für Wohlstand?


Kritik am Bruttoinlandsprodukt und alternative Wohlstandsindikatoren

Was wird vom BIP gemessen?

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird als wichtigster Parameter für den Wohlstand eines Staates herangezogen. Doch was mißt das BIP tatsächlich? Es wird laut Definition zur Messung der Wirtschaft eines Landes herangezogen.

"Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter, Waren und Dienstleistungen an, die während eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden."
wko.at, Wikipedia 27.9.2020

Kritik am BIP

Es ist gängige Praxis, dass ausgehend vom BIP der Wohlstand einer Bevölkerung interpretiert wird. Hierbei kommt die Frage auf: Ist das BIP in diesem Bereich aussagekräftig?

Da das BIP nur die aggregierte Produktion einer Volkswirtschaft abbildet, kann nicht auf den Wohlstand und die Lebensqualität der Gesamtbevölkerung eines Landes geschlossen werden. Ein Wirtschaftswachstum kann ungleich auf die Bevölkerung verteilt oder mit eventuellen negativen sozialen, gesundheitlichen oder Umweltproblemen verknüpft sein. Dieser Indikator ist also unzureichend, wenn man die Lebensqualität und den Wohlstand einer Bevölkerung messen will.

Das Problem BIP und Umwelt

"Ein Tankerunglück, das einen Küstenabschnitt mit Öl verpestet, lässt das BIP ansteigen, weil es dazu führt, dass Firmen kommen und das Öl vom Strand kratzen und also Dienstleistungen erbracht werden. Die Schäden, die durch die Ölpest im Ökosystem angerichtet wurden, schlagen sich im BIP nicht wieder, weil Natur - wie wir gesehen haben -, solange sie einfach nur da ist, in keiner ökonomischen Bilanz auftaucht."

Maja Göpel (2020). Unsere Welt neu denken. Berlin: Ullstein. (S. 79)

Das Problem BIP und Kindererziehung

Die Staaten der westlichen Welt versuchen seit Jahrzehnten - mit unterschiedlichem Erfolg - Familien zu unterstützen und Kindererziehung zu erleichtern. Wenn jedoch eine Mutter oder ein Vater nach der Geburt des Kindes zuhause bleiben und nicht ins Büro gehen, dann senken sie das BIP.
Ist das nun gut oder schlecht?

Lebensqualität, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit

Um die Lebensqualität und den Wohlstand auch für die zukünftigen Generationen zu sichern, wird eine Orientierung an dem Paradigma der Nachhaltigkeit, der Sozialstaatlichkeit und des „magischen Vielecks der Wirtschaftspolitik“ verlangt.

Das Paradigma der Nachhaltigkeit meint eine gerechte Entwicklung, welche die ökonomische und soziale Dimension innerhalb der ökologischen Grenzen berücksichtigt. Politisches Handeln, soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit wird, genauso wie die Chance auf eine Teilhabe im gesellschaftlichen Leben, in einem Sozialstaat angestrebt.

Das „magische Vieleck der Wirtschaftspolitik“ setzt sich u.a. aus Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Preisstabilität und einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht zusammen.
Wettbewerbsfähigkeit, regionaler Wohlstand und Standortqualität schließen sich jedoch nicht aus: Innovation, Bildung, sozialer Zusammenhalt und ökologische Aktivitäten werden in die Messung der Wettbewerbsfähigkeit miteinbezogen.

Alternative Indikatoren und der Better Life Index

Die Leitlinie für eine soziale, ökonomische und ökologische Politik bilden die 17 „Sustainable Development Goals“ (SDGs), zu denen sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen bekannt haben.

2009 scheiterte die Europäische Union jedoch daran, eine neue Wohlstands- und Lebensqualitätsmessung zu verankern. 

Alternative Wohlstands- und Lebensqualitätsmessungen werden von der breiten Masse bisher kaum angenommen und auch Initiativen einer besseren Messung des Wohlstands und der Lebensqualität finden nur vereinzelt statt.

Eine alternative Messung lässt der „Better-Life-Index“ der OECD zu, der bereits 2011 entwickelt wurde. Mit diesem Index ist es möglich, das gesellschaftliche Wohlergehen in den unterschiedlichen Ländern anhand von elf Themenfeldern gegenüberzustellen. Diese Themenfelder enthalten u.a. das Einkommen, die Work-Life-Balance, die Gesundheit und Bildung in den verschiedenen Ländern. Wobei jeder Indikator Unterteilungen aufweist.  

Es ist dringend an der Zeit, die materiellen Werte, wie sie vom BIP erfaßt werden, mit den immateriellen Werten der Menschen zu verknüpfen. Der Better Life Index ist eine Möglichkeit, den ausschließlich wirtschaftlichen Blick durch jene Bereiche zu ergänzen, die den Menschen in den jeweiligen Ländern wichtig sind. Die Einbeziehung der Umwelt stellt dabei ein Gebot der Stunde dar.

Zusammengefasst von Olivia Schmid