Olivia Schmid - 30. April 2021-

Plastikpfand in Österreich

Der Umgang mit Verpackungen, Alternativen und die aktuelle Lage in Österreich.

Das Problem von Kunststoff und Co.

Das Streben des Menschen nach Innovationen, technische Weiterentwicklung und Bedürfnisbefriedigung auf einem hohen Level geht mit einem erhöhten Konsumverhalten einher. Kunststoff bietet eine Vielzahl von vorteilhaften Eigenschaften gegenüber anderen Materialien, ist allerdings bezüglich der Umweltbilanz problematisch. Der Anstieg der Kunststoffabfälle in den letzten zehn Jahren in Industrie- und Entwicklungsländern alarmierend gestiegen, wie Müllberge an Stränden, Müllinseln in den Meeren und Mikroplastik in Lebewesen und der Nahrung aufzeigen.

Österreichs Abfallwirtschaft

Eine Recyclingquote von mindestens 65% setzt sich die europäische Union als Ziel. In Österreich wird eine Minimierung der Deponierung angestrebt, wobei der Schwerpunkt auf Recycling der Abfälle liegt. Das Recyclingsystem bei Glas ist bereits breit aufgestellt: Über 80.600 Sammelbehälter für Bunt- und Weißglas stehen in Österreich im öffentlichen Raum zur Verfügung. Da aus dem Altglas neue Produkte hergestellt werden, ist eine getrennte Sammlung wichtig. Für die Sammlung von Leichtverpackungen (Kunststoff etc.) gibt es verschiedene Methoden, die regionsabhängig sind. Einige Regionen sammeln Leichtverpackungen mit Metallverpackungen gemeinsam, andere verwenden ein getrenntes Sammelmodell. Zum getrennten Sammelmodell zählt u.a. der „Gelbe Sack“. In einer PET-Verwertungsanalage, welche auf dem Bottle-to-Bottle-Recycling Prinzip beruht, werden PET-Produkte (aus-)sortiert und recycelt.

Selektive Verbote von Einwegverpackungen

Rund 50% der Kunststoffe werden für Einweganwendungen hergestellt und die weltweite Produktion von Kunststoffmaterialien erreichte im Jahr 2018 359 Millionen Tonnen. Die Minimierung des Ressourcenverbrauchs durch eine Kreislaufwirtschaft aller Verpackungsmaterialien wird von der EU angestrebt. Im Vergleich zu den meisten Verpackungsmaterialien wie Glas, Papier oder Metall ist das Sammel- und Verwertungssystem für Kunststoffabfälle am wenigsten entwickelt. Zudem ist die Organisation der Systeme von Bundesland zu Bundesland verschieden.
Der ökologische Effekt eines Verbotes von Einwegverpackungen kann groß sein, wenn der (rechtliche) Rahmen des Verbots klar formuliert ist. Denn wenn sich dieses Verbot nur auf Einweggebinde bezieht, kann ein Umstrukturierungseffekt für Mehrkomponentenverpackungen ausbleiben. Des Weiteren kann eine Vorgabe zu Einhaltung einer Mehrwegquote nur dann erfolgreich sein, wenn bei einer Verletzung auch eine Sanktion folgt.
Wenn es eine Quotenregelung für Mehrweggebinde gäbe, an welche sich Abfüller und Verpackungshersteller halten müssen, wären auch Unternehmen gezwungen neben Einweggebinden auch Mehrweggebinde zu produzieren. Auf der einen Seite würde die Umwelt davon profitieren, jedoch würde auf der anderen Seite Spezialisierungs- und Größenvorteile verloren gehen.

Das Pfandsystem im europäischen Raum

Das Pfandsystem ist ein Anreizsystem und besteht aus drei Wirkungsdimensionen: Regeln, Sanktionen und Garantie. Es werden spezifische Regeln vereinbart, um das Handeln von Kunden und Produzenten in der Waage zu halten. Sanktionen äußern sich u.a. dadurch, dass der Kunde/die Kundin das Pfandgeld nicht zurückerhält, wenn die Verpackungen nicht retourniert werden. „Die Effizienz eines Pfandes ist daraus ersichtlich, dass der Vermögensverlust bei einer Beschädigung oder Vernichtung mindestens gleich groß ist wie der Vermögenszuwachs der gegenüberstehenden Partei (Schweiger 2020, S. 23)“. Umgekehrt kann man auch einen Belohnungscharakter erkennen, wenn bei der Pfandrückgabe 9 bis 25 Cent pro Flasche zurückbezahlt werden.

Pfandpflichten und Rücklaufquoten

Bei der Kombination einer Rücknahmepflicht mit der Pflicht zur Erhebung eines Pfandes kann von einer Rücklaufquote von ca. 80 bis 90% ausgegangen werden. Nur wenn kein Kassenbon oder eine Pfandmarke zu einer Rückerstattung des Pfandes gebraucht wird, sind der Anreiz und die Rücklaufquote hoch. Bis in die 1980er war das Pfandsystem in Österreich für Einweg- und Mehrwegverpackungen weit verbreitet und wird in Ländern wie u.a. Deutschland noch stärker bis heute betrieben. Durch die Entwicklung von Kunststoffverpackungen hat das Mehrwegsystem, welches vor allem Glas- und Plastikflaschen umfasst, über die Jahrzehnte an Bedeutung verloren. Das Thema Recycling steht jedoch im Mittelpunkt der europäischen Debatte, dank dem steigenden Umweltinteresse. Mitgliedstaaten der EU sind ab 2021 einer Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen verpflichtet. Das neue Pfandsystem in Österreich wird jedoch von einigen Seiten heftig kritisiert, u.a. deswegen, da es die Steuerzahler zwischen 160 bis 180 Millionen Euro pro Jahr kosten wird. Auf der anderen Seite würde weniger Steuergeld für die Plastiksteuer an die EU verschwendet werden.

Zusammenfassung

Das Leben ist heutzutage ist durch mehr Konsum und kurzlebige bzw. aufwendiger verpackte Produkte bestimmt. Die daraus resultierenden Müllberge stellen eine Herausforderung für die Abfallwirtschaft und das Verwertungssystem dar. Die EU setzt sich eine Recyclingquote von 65% als Ziel und Österreich möchte die Deponierungsquote minimieren. Ein Verbot von Einwegverpackungen kann mit einer Quotenregelung von Mehrwegverpackungen einhergehen und eine ökologisch verträglichere Produktion fördern.


Literatur:
Schweiger, Philipp. 2020. Einwegpfand im europäischen Raum und Integrationsmöglichkeit im österreichischen Abfallwirtschaftssystem.

Pladerer, Chrisitian; Henriette Gupfinger. 2002. Bundesweite Instrumente zur Stützung von Mehrwegsystemen für Getränkeverpackungen und deren Auswirkungen auf die Stadt Wien.

BMK. 2020. Neues Pfandsystem für Österreich: 3-Punkte-Plan vorgestellt.